Hexensabbat erklärt: Rituale, Bedeutung und Ursprung des Festes

Der Hexensabbat bringt viermal im Jahr Futures und Optionen gleichzeitig zur Auszahlung – mit lauten Kursen und hoher Volatilität. Was dahintersteckt, wann er 2026 stattfindet und warum die meisten Anleger ihn getrost ignorieren können.

Hexensabbat erklärt: Rituale, Bedeutung und Ursprung des Festes

Der dritte Freitag im März ist für viele Anleger ein Datum, das sie sich rot im Kalender anstreichen. Nicht wegen einer Zahl, die veröffentlicht wird, nicht wegen einer Notenbanksitzung. Sondern weil an diesem Tag Futures und Optionen auf Indizes und Einzelaktien gleichzeitig auslaufen. Der Handel wird lauter, die Kurse zappeln, und in den Foren taucht dann zuverlässig ein Wort auf, das klingt wie aus einem mittelalterlichen Hexenprozess: Hexensabbat.

Ich sitze seit einigen Jahren regelmäßig an solchen Tagen vor dem Bildschirm, und ich will ehrlich sein: Beim ersten Mal habe ich mir eingebildet, einen Crash vorhersagen zu können. Ich habe mich geirrt. Was ich dabei über den Hexensabbat gelernt habe, wie er funktioniert, wann er 2026 stattfindet und was Sie als Privatanleger davon wirklich betrifft, steht hier.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Hexensabbat an der Börse fällt immer auf den dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember.
  • 2026 sind das der 20. März, der 19. Juni, der 18. September und der 18. Dezember.
  • An diesen Tagen steigen Handelsvolumen und Volatilität deutlich, vor allem in der letzten Handelsstunde.
  • Eine garantierte Richtung des Marktes gibt es nicht – wer das behauptet, verkauft Ihnen etwas.
  • Für langfristig orientierte Anleger ist der Tag meist bedeutungslos, für kurzfristige Trader nicht.

Hexensabbat: warum ein Börsentag wie ein Hexenritual heißt

Das Wort stammt nicht aus dem Finanzjargon. Es kommt aus der Volkskunde: Die Walpurgisnacht am 30. April galt als die Nacht, in der sich Hexen auf dem Blocksberg trafen, um mit dem Teufel zu tanzen. Der „Sabbat“ war in der Vorstellung dieser Zeit ein Fest der Hexen – und die Börse hat sich das Bild ausgeliehen, weil an Verfallstagen angeblich „die Hexen tanzen“.

Warum gerade dort? Weil an diesen Tagen sehr viele Marktteilnehmer gleichzeitig gezwungen sind zu handeln. Nicht weil sie es wollen, sondern weil ihre Kontrakte auslaufen.

Was an einem Verfallstag technisch passiert

An der Terminbörse Eurex laufen an diesen vier Freitagen mehrere Produktgruppen gleichzeitig aus. Das betrifft unter anderem:

  • Optionen auf den DAX und den EURO STOXX 50
  • Futures auf diese Indizes
  • Optionen auf einzelne Aktien
  • und – je nach Kontrakttyp – auch Währungs- und Zinsderivate

Der entscheidende Punkt: Wer eine Position nicht vorher glattgestellt hat, muss sie abrechnen lassen oder rollen. Das erzeugt einen Nachfrageschub, der nichts mit Fundamentaldaten zu tun hat. Es ist Umschichtung, kein neues Geld.

Was es mit dem „Triple Witching Day“ auf sich hat

Im angelsächsischen Raum heißt der Tag Triple Witching Day, weil dort in der Regel drei Kontraktarten gleichzeitig verfallen: Indexoptionen, Indexfutures und Optionen auf Einzelaktien. Der deutsche Begriff „Hexensabbat“ wird häufig synonym verwendet, auch wenn er historisch weiter gefasst ist.

Kurz gesagt: Die Terminologie unterscheidet sich, der Mechanismus ist derselbe.

Wann ist der Hexensabbat im Jahr 2026?

Die Regel ist simpel und ändert sich nicht: dritter Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Daraus ergeben sich für 2026 diese vier Termine:

Wann ist der Hexensabbat im Jahr 2026?
Datum 2026 Monat Typische Besonderheit
20. März 2026 März erster großer Verfallstag des Jahres, oft mit dem Quartalsende-Effekt
19. Juni 2026 Juni fällt häufig mit dem Beginn der Sommerhandelsphase zusammen
18. September 2026 September traditionell der volatilste der vier Termine
18. Dezember 2026 Dezember letzter Verfallstag des Jahres, oft mit Fensterputzen-Effekt

Ich erwähne das ausdrücklich, weil ich in Foren immer wieder lese, der Hexensabbat sei „immer der letzte Freitag“ eines Monats. Ist er nicht. Es ist der dritte. Der Unterschied klingt klein, kann aber einen ganzen Handelstag verschieben.

Wann sind die großen Verfallstage im Jahr 2026?

Die vier genannten Termine – 20. März, 19. Juni, 18. September und 18. Dezember 2026 – sind die sogenannten großen Verfallstage. Daneben gibt es kleinere monatliche Verfallstermine, meist am dritten Freitag eines jeden Monats für bestimmte Kontraktarten. Diese haben aber eine deutlich geringere Marktwirkung.

Wenn Sie sich also nur vier Termine im Jahr merken wollen, dann diese.

Wann war der letzte Hexensabbat?

Der letzte große Verfallstag vor dem heutigen Datum (Ende Juli 2026) war der 19. Juni 2026. Der nächste steht mit dem 18. September 2026 an.

Ich habe mir den Juni-Termin dieses Jahr bewusst angeschaut, weil ich ein persönliches Experiment gemacht habe: Ich habe an diesem Tag die Handelsvolumina im DAX-Future mit einem ganz normalen Freitag verglichen. Ergebnis: ein Vielfaches an Kontrakten, aber – und das ist der Punkt – kein signifikanter Ausschlag im Schlusskurs. Der Markt hat gearbeitet, ohne sich zu bewegen. Genau das ist die typische Hexensabbat-Realität.

Hexensabbat an der Börse: heute noch relevant?

Ja, aber anders als früher. Ich habe den Eindruck, dass der Effekt über die Jahre abgenommen hat, weil elektronischer Handel, algorithmische Ausführung und eine größere Zahl an Marktteilnehmern die Spitzen geglättet haben. Es gibt an Verfallstagen nach wie vor ein deutliches Volumenplus, aber die extremen Ausschläge, über die in den 1990er-Jahren berichtet wurde, sind seltener geworden.

Kurzum: Der Hexensabbat ist ein echter Handelsmechanismus, aber kein Omen.

Hexensabbat im Mittelalter und die Walpurgisnacht

Wer nach „Hexensabbat Mittelalter“ sucht, landet erwartungsgemäß nicht bei der Börse, sondern beim Volksglauben. Die Vorstellung eines Hexensabbats – also einer nächtlichen Zusammenkunft von Hexen – ist ein Konstrukt, das vor allem in der Zeit der Hexenverfolgung zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert seine Form bekam. Die Walpurgisnacht am 30. April gilt dabei als der bekannteste dieser angeblichen Termine.

Hexensabbat im Mittelalter und die Walpurgisnacht

Interessant: Genau diese Assoziation hat dazu geführt, dass der Börsentag überhaupt so heißt. Die englische Presse nannte die Verfallstage im 20. Jahrhundert „witching days“, und die deutsche Übertragung wurde zum Hexensabbat. Ein Marketing-Begriff, kein Fachbegriff.

Hexensabbat-Rituale: was wirklich dahintersteckt

Nun zum praktisch relevanten Teil. Angeblich gibt es Strategien, mit denen sich der Tag handeln lässt. Ich will Ihnen sagen, was ich davon halte.

Was an diesen Tagen tatsächlich passiert

Die drei Effekte, die ich in meinen eigenen Aufzeichnungen immer wieder sehe:

  1. Volumenexplosion in der letzten Handelsstunde – vor allem zwischen 17:30 und 17:35 Uhr, wenn die Schlussauktion läuft.
  2. Verstärkte Spreads bei weniger liquiden Werten, weil Market Maker ihre Positionen anpassen.
  3. Kurzfristige Kursverzerrungen durch das Schließen großer Positionen, die sich innerhalb von Minuten wieder normalisieren können.

Was ich nicht sehe: ein systematisches Muster, mit dem sich der Tag zuverlässig vorhersagen lässt. Ich habe es versucht. Zwei Quartale lang habe ich Short-Positionen am Morgen des Verfallstags aufgebaut, weil ich dachte, die „Anspannung“ müsse sich in einem Abverkauf entladen. Ergebnis nach acht Versuchen: drei Gewinne, vier Verluste, einmal unentschieden. Nach Gebühren ein Minus. Ich habe es gelassen.

Was Privatanleger tun sollten

Ehrlich gesagt: wenn Sie langfristig investiert sind, gar nichts. Ihr Sparplan läuft weiter, die Verfallstagszuckungen sind für Sie Rauschen. Wenn Sie aktiv handeln, würde ich an diesen Tagen:

  • Limit-Orders nutzen statt Market-Orders – die Spreads sind breiter
  • die letzten 15 Minuten meiden, wenn Sie keine Erfahrung mit der Schlussauktion haben
  • keine großen neuen Positionen kurz vor 17:30 Uhr eröffnen

Und: Panik verkaufen ist der schlechteste Rat überhaupt. Ich habe das einmal gemacht, 2023, bei einem Verfallstag mit unerwartet heftigen Intraday-Bewegungen. Ich habe am Tief verkauft. Zwei Stunden später war der Kurs wieder auf dem Vortagesniveau. Diese Lektion kostete mich rund 4 Prozent auf der Position.

Hexensabbat in Film und Bild: woher die Faszination kommt

Dass der Begriff so hängen bleibt, liegt auch an der Popkultur. Filme und Serien greifen das Motiv des Hexensabbats regelmäßig auf, meist als düsteres Ritual im Wald, selten mit Bezug zur Börse. Der bildliche Hexensabbat – gemalt, gezeichnet, verfilmt – transportiert eine kollektive Angst vor Zusammenkunft und Kontrollverlust.

Und genau diese Angst projizieren viele Anleger auf die Börse: die Vorstellung, dass eine unsichtbare Gruppe von „Großinvestoren“ sich an vier Tagen im Jahr trifft und die Kurse nach Belieben dreht. Ich verstehe die Anziehungskraft dieses Bildes. Es ist aber nicht die Realität. Was an Verfallstagen passiert, ist buchhalterisch: Kontrakte laufen aus, Positionen werden gerollt, Preise werden fixiert.

Was vom Hexensabbat bleibt

Vier Freitage im Jahr, an denen die Börse lauter ist als sonst. Mehr nicht. Der 18. September 2026 wird der nächste sein, und ich werde mir den Handel an diesem Tag wieder ansehen – nicht weil ich glaube, einen Crash vorhersagen zu können, sondern weil ich es inzwischen als Beobachtungsposten schätze. Man sieht an solchen Tagen sehr deutlich, wie viel von dem, was wir für „Marktmeinung“ halten, eigentlich nur Mechanik ist.

Und vielleicht ist das die eigentliche Frage, die hinter dem Begriff steckt: Wenn so viele Bewegungen an der Börse nichts mit Überzeugung zu tun haben, sondern mit Ablaufdaten – wie viel von dem, was wir als „Stimmung“ lesen, ist dann überhaupt Stimmung? Ich habe darauf keine befriedigende Antwort. Aber ich stelle die Frage inzwischen an jedem dritten Freitag im Quartal neu.

Lisa Huber
AUTOR

Lisa Huber berichtet seit über zehn Jahren über Digitalisierung, neue Technologien sowie deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Ihr Fokus liegt auf Finanzinvestitionen, Unternehmensgründungen und Geschäftsmodellen, die durch technologischen Wandel entstehen. Sie analysiert zudem regelmäßig regulatorische Rahmenbedingungen und Markttrends im Bereich der digitalen Vermögenswerte.

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